Tore: Nicu 1:0/3:0 (60./75.), Amstätter 2:0 (65.)

 

Es war einmal (schliesslich beginnen alle guten Geschichten mit dieser allgemeinen Floskel) an einem regnerischen Samstagmorgen: In einem kleinen Schweizer Dorf nahe der germanischen Grenze machten sich zwei verrückte Eidgenossen (über deren Geisteszustand aufgrund der durchlebten Ereignisse weiterhin Unklarheit herrscht) auf, um die versteckte Pracht der hessischen Fussballwelt zu erforschen.

 

 

Auf der kurzweiligen Fahrt über die deutschen Autobahnen wurde die zeitliche Dimension schnell zum ärgsten Feind unserer beiden Helden, was insbesondere den launischen Witterungsverhältnissen und der abenteuerlichen Fahrweise einiger Autolenker zuzuschreiben war. Eine meisterliche Fahrleistung (gepaart mit einem personifizierten Navigationssystem) liess uns dennoch pünktlich in Wehen (einem Stadtteil von Taunusstein) eintreffen, wo der örtliche Sportverein um den erstmaligen Aufstieg in die zweite Bundesliga kämpft.

 

Zu Spielbeginn mussten sich die einheimischen Supporter mit ihrer (un)deutlichen Aussage in den Vordergrund drängen: „Emotionsverbot? PSY 99 lachen sich tot!“. Auch wir hätten wenige Augenblicke später vor Lachen fast das Zeitliche gesegnet, als eine akustische Umsetzung des Transparents gründlich misslang. Auf dem Spielfeld gab es inzwischen nur wenig Erbauliches zu bestaunen, doch immerhin hielten uns die lautstarken Schlachtrufe der Löwen-Supporter vom drohenden Tiefschlaf ab.

 

 

Überraschend schnell fand das Trauerspiel auf den grünen Rasen seine übliche Unterbrechung (auch Pause genannt) und wir konnten uns endlich einer intensiven Inspektion des Stadions am Halberg widmen: Auf einer Längsseite befindet sich eine überdachte Tribüne (bestehend aus einigen Stehstufen), welche aus Gründen der Sicherheit in einem Heim- und einem Gästebereich unterteilt ist (der Dank gilt hierbei dem deutschen Fussballbund). Gegenüber wurden zwei kleine Stahlrohrtribünen mit blauen Sitzschalen aufgebaut; und die „besseren“ Besucher dürfen es sich hinter den Glasfenstern im noblen Vereinsheim bequem machen.

 

Wer sich nach dem Pausentee eine unterhaltsame (Tor-)Flut erhoffte, musste sich vorerst mit einer regnerischen Überflutung begnügen – doch die kühle Erfrischung schien endlich auch die heimischen Spieler daran zu erinnern, was heute auf dem Spiel stand. Plötzlich kombinierten sich die Rot-Weissen in südamerikanischer Manier durch die hilflosen Münchner Abwehrreihen, was nun auch die heimischen Anhänger zur kurzfristigen Ekstase brachte und über dem Taunus wieder die Frühlingssonne zum Strahlen brachte.

 

Zufrieden setzten wir unsere Fahrt nach Spielschuss ins nahe gelegene Städtchen Idstein fort, wo die TSG Wörsdorf am späten Nachmittag ihr Heimspiel in der Oberliga Hessen gegen Bernbach hätte austragen sollen. Der angewandte Konjunktiv verspricht (wieder einmal) keine positiven Nachrichten: Aus unerklärlichen Gründen wurde die Partie kurzfristig abgesagt („Ich könnte kotzen, ihr Drecksbauern!“). Danke, Wörsdorf!

 

Reichlich angesäuert (und ohne Alternativspiel in der Hinterhand) fuhren wir auf direktem Wege zurück nach Heidelberg (sollte es für eine Person am Abend doch noch mit einem Billigbus in die Hansestadt Hamburg gehen), wo wir im Restaurant Krokodil ein ausgiebiges Abendessen der besseren Sorte (bei tiefen Preisen und freundlicher Bedienung) geniessen konnten. So fand der Tag doch noch einen gelungenen Abschluss…