Tore: Kyle 1:0 (61.), Whitley 2:0 (76.)

 

Aufgrund der kurzen Anfahrt musste auch der Norden von England auf meiner Schottland-Tour weiter aufkundschaftet werden. Das Stadion in Sunderland ist ebenso charakteristisch und herausragend wie der Ground im benachbarten Newcastle, mit dem bedeutenden Unterschied, dass im „Stadium of Light“ derzeit nur Zweitliga-Fussball geboten wird. Mit einem Sieg im heutigen Spitzenspiel gegen West Ham sollte jedoch ein wichtiger Schritt zurück in die Premier League gemacht werden – natürlich sah das Ziel der Gäste aus der Hauptstadt nicht anders aus.

 

 

Das erste Viertel der Begegnung ist schnell erzählt: Die beiden Teams hielten sich vor allem im Mittelfeld auf und durch die gegenseitige Neutralisation verbrachten die aufgestellten Keeper bisher einen ruhigen Nachmittag. Auf die nötige Unterstützung der Zuschauer konnte nun, nach der katastrophalen Leistung zu Beginn des Spiels, auch keine Mannschaft mehr zählen, nachdem sich anfänglich wenigstens noch die Gästefans zu Wort meldeten.

 

Exakt 28 Minuten waren auf der Anzeigetafel angezeigt, als ein Spieler von West Ham einen ersten Warnschuss, jedoch direkt auf den Torhüter, abfeuerte. Es folgten zehn starke Minuten der bisher passiven Gastgeber, die sich nun einige Eckbälle erarbeiten konnten, die jedoch allesamt so schwach getreten waren, dass die von der West Ham-Abwehr mühelos geklärt werden konnten und somit zu keinem Zeitpunkt eine wirkliche Gefahr aufkam. Die letzte Chance vor dem Seitenwechsel gehörte wieder den Gästen, als eine Mischung aus Flanke und Torschuss nur knapp am Winkel vorbeistrich.

 

 

Zu Beginn der zweiten Halbzeit traten beide Equipen wesentlich engagierter auf, was dem sitzenden Volk in den ersten Minuten bereits mehr Chancen bescherte als in der kompletten ersten Hälfte zu sehen waren – vor allem Sunderland schien zur Pause auf unerklärliche Weise erstarkt zu sein. Und nach 61 Minuten vermochte Kyle eine unübersichtliche Situation im Strafraum der „Hammers“ am schnellsten zu erfassen – die allgemeine Verwirrung nutzte er geschickt, um die heimische Seite tatsächlich in Führung zu schiessen.

 

Nun versuchten sogar einzelne Kleingruppen von Heimsupportern für eine angemessene Stimmung zu sorgen. Der Lärmpegel drohte spätestens nach 76 Minuten endgültig zu überborden als Whitley den Ball gekonnt ins Tor der Londoner Gäste grätsche, nachdem die gegnerische Abwehr mehrere Sekunden verstreichen liess, ohne den Ball für ihren geschlagenen Schlussmann aus der Gefahrenzone zu schlagen. Inzwischen begannen (fast) alle Teile der Stadions in die lautstarken Gesänge der Heimfans einzustimmen; nur von den West Ham-Anhängern war schon seit längerem nichts mehr zu hören.

 

 

In der Schlussphase beschränkten sich die Spieler von Sunderland auf das Verwalten ihres Vorsprungs, was den Gästen mehr Raum einbrachte, den sich jedoch nicht wie gewünscht nutzten konnten und schlussendlich die Heimreise ohne eine einzige gefährliche Torchance auf ihrem Konto antreten mussten, was ihre mehr als enttäuschende Leistung unterstreichen soll. Vielmehr fielen die Hauptstädter durch ihr aggressives Auftreten gegenüber dem souveränen Unparteiischen auf, was ihren insgesamt sechs gelbe Karten einbrachte.