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Tore: Poborsky 0:1 (22.), Pitak 1:1
(85.) Aufgrund der zahlreichen Aktionen der
beiden Fangruppen während dem Prager Derby wurde die Bilderanzahl ausnahmsweise
stark erweitert und jeweils mit einer eigenen Beschreibung versehen, welche
unter dem entsprechenden Foto zu finden ist. Das
Hauptziel des Ausflugs, die tschechische Hauptstadt Prag (und gleichzeitig
der elfte Länderpunkt meiner Karriere), wurde in den samstäglichen
Morgenstunden mehr oder weniger pünktlich erreicht. Eine ausführliche
Sightseeing-Tour sorgte für die überwältigende Erkenntnis, dass wohl keine
andere Stadt der Welt eine solch grosse Dichte an
sehenswerten Bauten zu bieten hat. Von den hübschen Mädels, den tiefen
Preisen und dem (heute) traumhaften Wetter mal ganz abgesehen…
Im
Duell der beiden bekanntesten (und erfolgreichsten) Vereine des Landes
entwickelte sich schnell ein munteres Spielchen; mit einem leichten
Chancenplus für die Gastgeber. Trotzdem musste Slavia
nach etwas mehr als zwanzig Minuten den ersten Treffer der Partie hinnehmen,
als Poborsky (auch schon beim heutigen Gegner unter
Vertrag stehend) auf der linken Seite mustergültig frei gespielt wurde und
aus wenigen Metern zum umjubelten Führungstreffer einschiessen
konnte. Der Vorsprung schien befreiend auf den Leader der Gambrinus
Liga zu wirken – trotz zahlreichen Chancen vor dem Seitenwechsel konnten die
Spartaner jedoch kein weiteres Mal reüssieren.
In der
Pause besiegten die heimischen F-Junioren ihre gleichaltrigen Sparta-Genossen
unter dem frenetischen Applaus der Zuschauer mühelos mit 3:1. Eine Art
Initialzündung auch für die „Grossen“ in den rot-weissen
Farben: Die Gastgeber konnten sich nach der Halbzeit mehrmals in viel
versprechende Abschlussposition bringen, zum ersehnten Ausgleich reichte es
jedoch (vorerst) nicht. Aber
da die Gäste aus dem Norden der Stadt ebenfalls im Abschluss patzerten, durften sich die Slavia-Supporter
weiterhin berechtige Hoffnungen auf einen Punktgewinn machen. Und
tatsächlich: In der 85. Minute traf Pitak nach
einer unübersichtlichen Situation im gegnerischen Strafraum aus nächster Nähe
zum durchaus verdienten Ausgleich. Eine faire Punkteteilung im Prager
Stadtderby.
Das Strahov-Stadion
Evžena Rošického ist ein durchgängig
zweistöckiger All-Seater, welcher sich in eine
allein stehende Haupttribüne (mit den blauen Sitzschalen) sowie die drei
zusammenhängenden Restseiten unterteilen lässt, wo die Sitze in den rot-weissen Clubfarben gehalten sind. Dabei ist jeweils
nur der Oberrang komplett überdacht (wobei altertümliche Stützpfeiler die
Sicht negativ beeinträchtigen) und die einzelnen Sektoreneingänge in den
Kurventribünen befinden sich kurioserweise auf unterschiedlichen Höhen. Im
wahrsten Sinne des Wortes sind auch die Flutlichtmasten (auf dem
Tribünendach) aufgrund ihrer Form herausragend. Fanreport: Die Zuschauerzahl war doch eher enttäuschend, aber
der Aufmarsch der Gästefans war dennoch beeindruckend. Aufgrund des engen
Zusammenstehens wirkte der Sparta-Mob von Beginn weg bedeutend mächtiger und
lauter als die einheimischen Supporter. Dieser
Eindruck sollte sich während der gesamten Partie bestätigen.
Zu
Spielbeginn zeigten die Slavia-Supporter im
Unterrang eine kleine Choreographie mit zahlreichen Blättern, die mit einem
roten Kreuz bemalt waren sowie einem riesigen Slavia-Hool
in Form der Comicfigur Bart Simpson. Die Gästefans warfen in unkoordinierter
Weise (d.h. nacheinander statt miteinander) einige Papierrollen auf die
Laufbahn, wodurch der Effekt eher enttäuschend war.
Im
Verlauf der ersten Hälfte wurden die Sparta-Fans zweimal in grösserem Stil aktiv: Die erste Choreo
bestand aus zahlreichen Luftballons (in den Clubfarben), die im Block
verteilt und dann wie wild geschwenkt wurden.
Später
folgte ein Spruchband, dessen Inhalt mir leider nicht bekannt ist. Es ist
jedoch anzunehmen, dass die Aktion eine Anspielung auf die aktuellen
Stärkeverhältnisse im tschechischen Fussball
darstellen soll. Aufklärung bitte an info@groundhopping.ch
Mit
dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit wurden auch die heimischen Anhänger wiederum
aktiv – über die ganze Hintertorseite wurden zahlreiche Fackeln gezündet und
teilweise auch in Richtung Spielfeld geworfen (eine identische Aktion folgte
kurz vor dem Spielende, nachdem der späte Ausgleich doch noch gefallen war).
Kurz
darauf waren die Gästefans wieder an der Reihe: Im gesamten Block wurden
mehrere Fackeln und Rauchtöpfe gezündet; bei der „fachgerechten“ Entsorgung
wurden auch die Laufbahn sowie einzelne Sitzgelegenheiten im Gästeblock in
Mitleidenschaft gezogen, worauf sich erstmals eine grössere
Polizeiarmee vor den Sparta-Fans in Position brachte.
Abschliessend
zauberten die heimischen Fans mit zahlreichen Balkenschals in den Clubfarben
sowie vielen Blättern mit der Aufschrift „SKS“ einen weiteren optischen
Leckerbissen.
Die letzte Aktion der Gäste
bestand aus mehreren Spruchbändern, auf welchen mathematischen Gleichungen
(teilweise mit Bezug auf die Vereinsgeschichte) abgebildet waren. Die sinngemässe Übersetzung der Hauptaussage lautete dabei, „dass
Slavia und der Titelgewinn eine nicht lösbare
Gleichung darstellen würden.“ Und auch die Polizisten kamen
noch zu ihrem Einsatz: Die Gästefans verbrannten ihre eigenen Choreographien,
wodurch einige Stühle in Brand gerieten, die von der in den Block stürmenden
Feuerwehr gelöscht wurden. Einige Fans wollten nun mit Gewalt durch die
offenen Tore auf das Spielfeld gelangen; und dementsprechend bewegten sich
die Gesetzeshüter in die umgekehrte Richtung, d.h. in den Block, wo kurz der
Knüppel geschwungen wurde. Ansonsten blieb (auch um das Stadion herum) alles
ruhig. |