Tore: Wyness 1:0/2:0 (42./78.)

 

Der Startschuss meiner längeren Schottland-Tour sollte heute endlich fallen – mit dem Besuch des Tynecastle Stadiums in Edinburgh wurde gleichzeitig der neue Länderpunkt Schottland verbucht. Die erste Begegnung auf der Insel konnte durchaus als interessant bezeichnet werden: Immerhin trafen die heimischen „Hearts“ (als dritte Kraft im schottischen Fussball hinter den beiden dominierenden Vereinen aus Glasgow) auf den Letztplatzierten der Premier League – und so durfte zumindest in Punkto Tore einiges erwartet werden.

 

 

Der Auftakt war auf jeden Fall viel versprechend: Die Gäste zeigten als krasser Aussenseiter eine engagierte Startviertelstunde und waren vor allem bei scharf getretenen Eckbällen gefährlich. Dabei taten sich jedoch auch grössere Löcher in der eigenen Defensive auf, die manchmal nur mit unfairen Mitteln behoben werden konnten. Und so hatten die Gäste nach zehn Minuten bereits zwei gelbe Karten auf ihrem Konto und mussten einige gefährliche Freistossmöglichkeiten der Gastgeber über sich ergehen lassen.

 

Der Vorstadt-Club aus Glasgow schien dem Führungstreffer oftmals näher zu sein – nach einer halben Stunde verpasste Thistle nur knapp den ersten Treffer als ein Stürmer alleine vor dem Schlussmann der Hauptstädter über das Gehäuse schoss. Auf der Gegenseite konnten die „Jambons“ nur in höchster Not am Führungstreffer gehindert werden. Kurz vor der Pause konnten die meisten Zuschauer dann doch noch jubeln: Die unsichere Abwehr von Thistle bereitete den Treffer durch eine Serie von Fehlern mustergültig vor - Wyness brauchte nur noch einzuschieben.

 

 

Die spielentscheidende Szene ereignete sich wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff: Ein schneller Angriff der Gäste konnte von den „Hearts“ im eigenen Strafraum nur noch regelwidrig gestoppt werden; doch der Schiedsrichter entschied fälschlicherweise auf Freistoss für die heimische Equipe und schickte den gefoulten Thistle-Spieler (wegen einer Unsportlichkeit) mit der gelb-roten Karte frühzeitig unter die Dusche, wodurch sich auch die mitgereisten Supporter lautstark bemerkbar machten. Ansonsten war es erschreckend ruhig im Stadion: Nur selten waren Gesänge zu hören und auch auf ein Intro oder andere optische Akzente wurde komplett verzichtet.

 

In Unterzahl vermochten die Gäste keine Akzente mehr zu setzen – vielmehr konnten die heimischen Spieler den grösseren Freiraum für ihre schnellen Konter nutzen, die sie jedoch oftmals selbst unterbanden, indem sie zu lange mit dem Abspiel warteten und somit zahlreiche Fans zur Verzweiflung (und verbalen Entgleisungen) trieben.

 

 

Eine kuriose Szene ereignete sich nach einer Stunde, als der Gäste-Torhüter nach einem Rückpass einen überraschten Hearts-Stürmer anschoss, von welchem der Ball nur knapp am Tor vorbei rollte. Wenige Minuten später fiel dann die endgültige Entscheidung: Nach einem ungestümen Ausritt des Thistle-Keepers ausserhalb des Strafraums wurde er von Wyness eiskalt überlobt. In der Schlussphase übernahmen die Gäste das Kommando, nachdem sich die siegreichen „Hearts“ auf das Halten des Vorsprungs konzentrierten – aussichtsreiche Möglichkeiten gab es jedoch keine mehr zu verzeichnen.

 

Als Schottland-Neuling muss ich zum Schluss noch einige Eigenheiten anmerken: Neben der fehlenden (optischen) Stimmung ist auch das Verhalten der Besucher vor und nach dem Spiel „merkwürdig“ – die meisten Zuschauer nehmen ihre Plätze erst wenige Minuten vor dem Kickoff ein; und nach dem Schlusspfiff stürmen alle sofort zum Ausgang. Die spinnen, die Schotten?!