Tore: Dodds 0:1 (44.), Novo 1:1 (48.), Lovell 2:1 (70.)

 

Bereits das zweite Spiel auf der Insel konnte zweifelsfrei als Höhepunkt bezeichnet. Bei gewöhnt tiefen Temperaturen trafen die beiden Lokalrivalen der nordschottischen Stadt Dundee aufeinander – ein volles Stadion war garantiert; genau wie gehässige Szenen auf dem Spielfeld und auf den besetzten Rängen.

 

Die beiden verfeindeten Fanlager sorgten schon vor Spielbeginn für eine tolle Stimmung, wobei sie sich vor allem darauf konzentrierten den gegnerischen Club zu verfluchen. Auf dem Feld konnten jedoch (noch) keine kriegerischen Verhältnisse ausgemacht werden – die Gastgeber waren in den ersten Minuten zwar meistens in Ballbesitz, konnten sich jedoch keine gefährlichen Chancen erarbeiten.

 

 

Auch auf den Rängen war inzwischen Ruhe eingekehrt, die jeweils nur dann in Stimmung umgewandelt wurde, wenn sich auf dem Spielfeld eine Szene ereignete, die zur wüsten Beschimpfung des Stadtrivalen genutzt werden konnte. Nach 35 Minuten kam Dundee FC zu einer ersten hochkarätigen Möglichkeit, als der früh eingewechselte Sancho freistehend zum Kopfball kam, den Ball jedoch direkt in die Arme des gegnerischen Keepers setzte.

 

Wenige Minuten vor der Pause konnten die Gäste erstmals einen gefährlichen Angriff über die linke Seite starten, der kurz vor dem Abschluss innerhalb des Strafraums nur noch regelwidrig gestoppt werden konnte. Diese Entscheidung war so klar, dass die heimischen Anhänger sogar darauf verzichteten den Unparteiischen zu beschimpfen. Dodds behielt beim fälligen Elfmeter die Nerven und brachte United entgegen dem Spielverlauf mit 1:0 in Führung.

 

 

Nach dem Seitenwechsel übernahm die heimische Equipe direkt wieder die Kontrolle über das Spiel mit dem Ziel den unglücklichen Rückstand ausgleichen zu können. In der 48. Minute war der Ausgleich bereits Tatsache geworden: Nach einem abgelenkten Freistoss und der darauf folgenden Kopfballvorlage brauchte Topscorer Nacho Novo unter dem frenetischen Jubel der Dundee-Supporter nur noch einzuschieben; sofort waren einige hämische Gesänge zu hören, die an die enttäuschten United-Fans gerichtet waren.

 

Die Spieler von Dundee United, deren Stadion nur wenige Metern entfernt auf der anderen Strassenseite liegt, waren nun merklich verunsichert und die Heimmannschaft erhöhte ihrerseits weiter den Druck – mit Erfolg: Lovell setzte sich mit einem tollen Dribbling gekonnt durch und liess auch dem Schlussmann keine Chance. Nach 70 Minuten hatte Dundee FC das Spiel gedreht!

 

 

Der Führungstreffer schien die Hausherren jedoch nicht weiter zu beflügeln; vielmehr begann gegen Ende der Partie die beste Phase von Dundee United. Ein Weitschuss aus 30 Metern strich nur knapp am Tor des chancenlosen Torhüters vorbei; und in der Nachspielzeit flog der Ball nach einer herrlichen Direktabnahme nur hauchdünn über die Latte. Und so kam das heimische Team dennoch zu einem glücklichen, aber verdienten Sieg in diesem wichtigen Derby.

 

Nach dem Schlusspfiff durfte ich zu meiner Verwunderung feststellen, dass die beiden verhassten Fangruppen friedlich nach Hause gingen, ohne dass ein getrennter Abtransport durch die anwesende Polizei nötig war. Die Tatsache, dass die zweifelsfrei exzellente Stimmung zum grössten Teil nur aus den Wörtern „fuck“ und „bastard“ bestand, ist auf die Dauer jedoch ziemlich nervig – der pausenlose Gebrauch von Fluchwörtern schient einfach zum schottischen Fussball zu gehören!